Sehr geehrter Herr Maier!
Es ist schön heute wieder einmal hier zu sein, zumindest Ohren hörend. Heute will ich mich an Sie wenden, denn ich habe heute etwas erlebt, das es lohnt zu beschreiben und einen der größten Entfruster aller Zeiten zu beantragen.
Frust pur schlug heute in meinem Alltag ein. Der Wortstamm des Wortes Frustration kommt vom lat. FRUSTRA was „vergeblich“ bedeutet bzw. vom Wort frustratio= „Täuschung eine Erwartung“. Damit könnte man Frustration auch als Wunschversagung darstellen.
Ursachen von Frustration können in einer unzuträglichen Konstellation in der äußeren Welt oder einer durch das Unterbewusstsein erzeugten Versagung liegen.
Meine heutige Frustration liegt gewisslich nicht in der inneren unbewussten Versagung sondern in einer beeinträchtigenden äußeren Versagung eines Wunschtraumes.
Doch nun muss ich endlich zur eigentlichen Sache kommen. Unlängst gelang es mir meiner holden Ehegattin Helga einen von ihr langjährig ersehnten Wunsch von den Lippen abzulesen. Sie werden nicht glauben, was sie mir in einer lautstarken disputativen Vehemenz an meinen Kopf zu werfen wagte. Sie wollte doch endlich einmal mit meiner selbst einen Einkauf tätigen, der uns in einen Baumarkt führen sollte.
Da ich diese Läden meist selbst besuchte, ohne meine göttliche Gattin Helga auch nur in die Nähe zu lassen, ist mir dieser Wunsch ein Gräuel. Einmal, noch zu der Zeit als wir unsere Wohnung nach der Hochzeit mit bis heute nicht mehr ausgetauschten gemusterten Tapeten bestückten, waren wir gemeinsam dort.
Meine unübertreffliche Gattin schaffte es nicht nur den Verkäufer so klein wie einen Pfenning zu machen, sondern auch, dass ich mich in diesem Etablissement nicht mehr blicken lassen konnte und mich liebstens von einer DreiWunschFee in eine kleine Maus verwandeln lassen wollte.
Dass nur, weil meine gewaltige Frau ihre Stimme erhob und ihn wegen seines unbedachten Wortes und der Frage ob sie Fähigkeiten besäße, die dem Malerhandwerk nahe kämen. Das empfand sie als Beleidigung und ließ ihm mehr als herunterlaufen.
Und dieser Horror sollte sich heute wiederholen! Ich hatte schon einige Tage den am weitest entfernten Baumarkt ausgesucht, denn in meinen Stammmarkt lasse ich sie nicht, da gehen sonst alle Rabatte flöten. So fuhren wir dort auf den Hof und schon angekommen, kurbelte sie das Fenster herunter und blögte in einem Tonfall eine junge Frau an, weswegen sie ihr Auto nicht richtig parken könnte, sie sei wohl eine von der blonden Fraktion.
Ich schrumpfte auf die Größe eines Schäferhundes.
Dann am Eingang folgte die nächste Beschwerde. Der Einkaufswagen laufe nicht rund. Der eiert und zieht auf eine Seite. Sie sei nicht Schuld wenn sie später irgendwo dagegen führe und etwas kaputt gehen würde!
Ich schrumpfte auf die Größe einer Katzer
Bei den frühlingshaften Blüten abgekommen schnauzte sie die Verkäuferin an, ob sie nicht endlich den armen Blumen etwas Wasser geben würde. So trocken kaufe sie die nicht!
Ich schrumpfte auf die Größe einer Maus
Weiter gings zu den Wasserfässern. Dort schrie sie laut nach dem Verkäufer. Der sich prompt umdrehte und weg lief. Es hatte sich also schon rumgesprochen, dass wir da waren.
Ich schrumpfte auf die Größe eines Flohs.
Dann an der Kasse. Wir bezahlen mit der Karte. Bei einem Produkt hatte die gute Ehefrau einen anderen Betrag auf der Auszeichnung gesehen und bestand darauf die wirklich und waren 0,03 € abgezogen zu bekommen. Die Kassiererin ließ nicht lange mit sich fackeln (anscheinend hatte sich unsere Anwesenheit schon rumgesprochen) und griff nach dem Mikrophon: Herr Müller aus der Gartenabteilung bitte zur Kasse. Bei mir ist die Frau Hauber und ihr Gatte. Anscheinend stimmt etwas an der Auszeichnung des Regenfasses etwas nicht. Bitte bringen sie auch gleich Frau so und so aus der Blumenabteilung mit, den Herrn Maier von den Baustoffen und Frau XY von den Stoffen mit, ebenso die Baumarktleitung und Herrn Huber aus der Finanzabteilung, denn wegen der Abbuchung bei der Karte wird es sicher auch Schwierigkeiten geben, dann brauche ich nicht tausend Durchsagen machen.
So schnell habe ich meine Frau noch nie BAR bezahlen sehen.
Ich schrumpfte aber bei dieser Aktion auf ein nichtmehr sichtbares Etwas zusammen und hoffe nun das sie mich mit ihrem Entfruster aufbauen können.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr ehrerbietigster Fritz Hauber
